Auftrag der Schule ist es nicht nur, jungen Menschen Wissen und fachspezifische Kompetenzen zu vermitteln. Lehrer und Eltern müssen gemeinsam versuchen, die Schülerinnen und Schüler in der Entfaltung und Stärkung ihrer gesamten Persönlichkeit zu fördern. Dazu gehört auch der bewusste Umgang mit Rauschmitteln aller Art.
Die offiziellen Zahlen des statistischen Bundesamtes zum Alkoholkonsum bei Jugendlichen alarmieren: Jede Woche müssen durchschnittlich mehr als zwei Jugendliche wegen Alkoholvergiftungen in Krankenhäusern der Region Heilbronn stationär behandelt werden. Im Vergleich zum Jahre 2001 bedeutet das eine Steigerung um 128 %. Das durchschnittliche Einstiegsalter für Zigarettenkonsum liegt inzwischen bei 13 Jahren, schon die 12-17-Jährigen nehmen durchschnittlich 50 Gramm reinen Alkohol pro Woche zu sich. Das entspricht zum Beispiel 1,25 Liter Bier. Eine kürzlich durchgeführte, schulinterne Umfrage zum Drogenkonsum unter den Schülern der 7.-9. Klassenstufe an der Leintal-Schule (Hauptschule und Realschule) führte leider zu dem für uns alle besorgniserregenden Ergebnis, dass viele Jugendliche rauchen, regelmäßig Alkohol zu sich nehmen und zum Teil sogar bereits mit illegalen Drogen in Kontakt gekommen sind.
Der Alkoholkonsum der Leintal-Hauptschüler und der Leintal-Realschüler (Klassen 7-9) im Vergleich
Frage: Wie oft trinkst du Alkohol?

(312 Befragte, Angaben in Prozent)
Die Art der alkoholischen Getränke, die die Leintal-Schüler (Klassen 7-9 / HS und RS) zu sich nehmen im Vergleich
Frage: Welche alkoholischen Getränke nimmst du zu dir?
(312 Befragte, Angaben in Prozent)
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müssen nachhaltige Suchtpräventionsmaßnahmen seitens der Schule und dem Elternhaus erfolgen. In der Leintal-Realschule haben Frau Bauder und Herr Pinecker seit Beginn dieses Schuljahres die Aufgabe, als „Suchtpräventionslehrer“ die Schüler vom Drogenkonsum abzuhalten, übernommen. Es wurde ein dreiteiliges Konzept erarbeitet, das sich dieses Jahr noch in der Erprobung befindet und dann ab nächstem Schuljahr in vollem Umfang an der Leintal-Realschule durchgeführt werden soll.

1. Projekte zur Suchtprävention
Es werden von unterschiedlichsten Stellen offizielle Projekte für Schüler angeboten, die über einen längeren Zeitraum mit einzelnen Klassen durchgeführt werden. Gerade da sich diese Projekte oft über ein ganzes Schuljahr erstrecken, können sie nur mit Hilfe der Klassenlehrer durchgeführt werden. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Be Smart – Don´t start“, ein Projekt, das die Schüler vom Rauchen abhalten soll und im Schuljahr 2007/2008 bereits zum elften Mal erfolgreich in Deutschland angeboten wird. Die Schüler unterschreiben einen Vertrag, in dem sie sich verpflichten ein halbes Jahr lang nicht zu rauchen, am Ende winken schließlich Preise für die Klassenkasse. Unser Ziel ist es, möglichst viele Klassen zur Teilnahme an diesem und ähnlichen Projekten zu bewegen.
2. Informationsveranstaltungen durch außerschulische Experten
In den vergangenen Jahren zeigte sich, dass Informationsveranstaltungen vor allem dann nachhaltige Eindrücke bei den Schülern hinterließen, wenn sie von Personen durchgeführt wurden, die in ihrem Alltag ständig mit dem Thema „Sucht“ zu tun haben. Das sind zum Beispiel Beamten der Kriminalpolizei, Angehörige von Suchtpräventionsstellen und so genannte „Streetworker“, die sich um abhängige Jugendliche kümmern und von deren Schicksal anschaulich berichten können. Im aktuellen Schuljahr 2007/2008 fanden bereits drei Veranstaltungen in der Klassenstufe 8 im Rahmen der fünften Blockwoche vom 05. bis 09. Mai 2008 statt, die sich zeitlich jeweils über einen ganzen Vormittag erstreckten. Diese multimediale Drogenprävention wurde in Zusammenarbeit mit dem Streetworker Andreas Salzer durchgeführt, der es sich nach über 10jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit in Stuttgarts Drogenszene zum Ziel gesetzt hat, den Jugendlichen die Folgen des Drogenkonsums deutlich zu machen. Ab nächstem Schuljahr sollen diese und ähnliche Veranstaltungen systematisch in die fünf Blockwochen integriert werden, die traditionell an der Leintal-Realschule stattfinden.
3. Unterrichtseinheiten zur Suchtprävention
Es ist besonders wichtig, dass nicht nur Fremde die Schüler zum richtigen Umgang mit Alkohol, Zigaretten und anderen Drogen erziehen, sondern auch die Lehrer selbst. Denn sie sind nach wie vor die Vertrauenspersonen, mit denen die Schüler jeden Tag in der Schule zusammenarbeiten und lernen. Deshalb sollen ab nächstem Schuljahr Unterrichtseinheiten durchgeführt werden, die gezielt auf die Schüler der verschiedenen Klassenstufen und deren Bedürfnisse abgestimmt sind:
In den Klassen 5/6 steht die so genannte Primärprävention im Vordergrund, d.h. die Kinder und Jugendlichen sollen über Drogen und deren Auswirkungen, möglichst bevor sie mit dem Konsum begonnen haben, informiert werden. Den Schülern wird also hier das Basiswissen vermittelt. Es muss dabei aber auch besprochen werden, warum Menschen eigentlich Drogen nehmen. Man spricht in diesem Zusammenhang von kausaler Prävention und geht davon aus, dass Menschen, die psychisch und sozial im Gleichgewicht sind, weniger anfällig für eine Suchtentwicklung sind. Die Lehrer müssen den Schülern dazu ein stabiles Selbstbewusstsein vermitteln und gleichzeitig Ansprechpartner bei Problemen sein.
In den Klassen 7 und 8 geht es dann verstärkt um die Sekundärprävention, das heißt, es gibt in Klasse 7 und 8 bereits einige Schüler, die gelegentlich oder auch regelmäßig Drogen konsumieren, vor allem Zigaretten und Alkohol. Deshalb soll die Suchtprävention in Klasse 7/8 auf diese beiden Suchtmittel konzentriert werden. Das Ziel ist eindeutig: Der Drogenkonsum soll verringert werden, bzw. es soll zumindest verhindert werden, dass es zur Abhängigkeit und Sucht kommt.
In Klassenstufe 9/10 schließlich stehen inhaltlich die so genannten „Partydrogen“ im Vordergrund (Cannabis, Ecstasy, Kokain, Heroin, LSD usw.), mit denen leider einige Schüler bereits in Kontakt gekommen sein dürften. Zusätzlich soll in Klasse 9/10 noch ein Bereich angesprochen werden, der eine völlig andere Art von Sucht beschreibt: die Essstörungen (Bulimie und Magersucht). Da gerade Essstörungen häufig eine typisch weibliche Krankheit sind, finden auch Überlegungen statt, ob man diese Module zeitweise geschlechtergetrennt durchführen soll.